Gemeinderat Saanen: 19 Kandidaten für 8 Sitze, 7 Fragen und 133 Antworten

Gemeinderat Saanen: 19 Kandidaten für 8 Sitze, 7 Fragen und 133 Antworten

Im Anzeiger von Saanen wurde die Kandidierenden für den Gemeinderat mit den 7 gleichen Fragen konfrontiert. Meine Antworten finden Sie hier.

Lieber gestalten als gestaltet zu werden

Bernerhof-Hotelier Thomas Frei kandidiert bei den kommenden Wahlen als Gemeinderat. Zu seinem Kernthema Tourismus bezieht der Freisinnige Position im Gespräch mit dem Präsidenten des Hoteliervereins Gstaad-Saanenland Christian Hoefliger, parteilos, sowie Jacqueline Jaggi, einer politisch interessierten Bürgerin und Mitglied der BDP.

jenny sterchi

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Thomas Frei, wieso kandidieren Sie für den Gemeinderat, haben Sie zu wenig zu tun als Hotelier?

Thomas Frei (TF): Definitiv nicht. Aber im Gemeinderat braucht es einen Touristiker. Und ich habe Freude am Saanenland und würde es gerne mitgestalten. Lieber gestalten als gestaltet zu werden. Zeitlich kann ich das machen. Ab November werde ich im Bernerhof nicht mehr operativ tätig sein. Nur noch strategisch. Brigitte übernimm die Leitung vom Hotel. Als Gemeinderat braucht man erfahrungsgemäss ein Arbeitspensum von etwa zwanzig Prozent.

Jacqueline Jaggi (JJ): Erfahrungsgemäss?

TF: Ich war ein paar Jahre lang Gemeinderat in Pontresina und verantwortlich für das Departement „Gemeindeeigene Bauten“. Dazu gehörten Schulen, Gemeindehaus, Hallenbad, ein Hotel und eine Jugendherberge.

JJ: Bist du denn genug teamfähig für einen Gemeinderat?

Christian Höfliger

Christian Höfliger

Christian Hoefliger (CH): Das ist er. Ich war mit ihm sieben Jahre im Vorstand des Hoteliervereins. Er hat Meinungen, vertritt diese, kann hart diskutieren und ist dabei aber immer lösungsorientiert. Zudem sehr erfahren, denkt über den Tellerrand und ist eben ein Macher. Ohne Frage eine Bereicherung für jedes Gremium.

TF: Ich denke es auch. Aber das war nicht immer so. Zu merken, dass man die anderen von der eigenen Idee einfach nicht überzeugen kann, das ist nicht einfach. Niederlagen anzunehmen musste ich auch lernen.

JJ: Was passiert, wenn Du nun nicht gewählt wirst?

TF: Dann werde ich Hotelier. Nein, im Ernst: Eine Nichtwahl wäre kein Weltuntergang. Aber mein Ziel ist natürlich, dass ich gewählt werde.

Es fällt auf, dass mit Michael Wichmann ein weiterer Hotelier kandidiert. Haben die bisherigen Gemeinderäte ihre Arbeit aus Perspektive des Tourismus nicht gut gemacht, dass sich gleich zwei Hoteliers empfehlen?

TF: Ich kann nur für mich sprechen, und für mich ist klar, dass es im Gemeinderat einen Hotelier braucht.

CH: Ja, die Durchmischung ist ganz, ganz wichtig. Jeder bringt richtigerweise seine Perspektive mit, der Bauer im Gemeinderat betrachtet die Geschäfte aus dem Blickwinkel der Landwirtschaft, der Hotelier sieht die touristischen Aspekte.

TF: Und die sind zentral im Saanenland. Der Tourismus erarbeitet 50 Prozent unserer Wertschöpfung. Wenn es den Hotels und Restaurants gut geht, geht es der Region gut.

CH: Hotellerie und Gastronomie sind die Magnete, die versuchen, die Gäste in die Region zu ziehen. Dabei sind sie aber auf eine intakte Landwirtschaft angewiesen, die mit ihrer wunderbaren Landschaftspflege für die Gäste ein unglaubliches Erlebnis für Auge und Seele bieten. Den Spielraum für die Zusammenarbeit haben diese zwei Branchen aber noch nicht ausgeschöpft.

Jaqueline Jaggi

Jaqueline Jaggi

JJ: Soll das heissen, dass aus jedem Schüürli ein Restaurant werden sollte?

CH: Nein, sondern das wir gemeinsam mehr Möglichkeiten haben, das zu bieten, was Gäste suchen und wünschen.

TF: Und wenn wir diese Möglichkeiten nützen, dann wird das Angebot vielfältiger und spricht mehr und unterschiedlichere Gästesegmente an.

Braucht das Saanenland so viele Grossevents wie es im Moment hat?

TF: Unbedingt. Andere Regionen beneiden uns darum. Einzigartig ist ja, wie tief diese Anlässe hier verwurzelt sind. Die meisten gehen auf Initiative von Einheimischen zurück, haben sich aus kleinen Anfängen heraus zu grossartigen Anlässen entwickelt. Das sind keine Marketingprodukte, die man irgendwohin verschieben kann. Die sind langsam und organisch gewachsen und stark verankert. Diese Grossevents tragen viel zur Wahrnehmung unserer Region bei.

CH: Sie sind wichtige Imageträger für das Renommee unserer Destination. Und sie generieren viele Erstfrequentierungen. Die Leute besuchen einen Anlass und lernen uns so überhaupt erst kennen. Sie essen und trinken, kaufen ein, gönnen sich etwas und bringen Wertschöpfung. Und damit sie wiederkommen, ist es wichtig, immer mal wieder Neues zu initiieren. Am besten gemeinsam, dann können nachher auch alle am Erfolg teilhaben.

JJ: Der Saaner sagt nicht «nein» zu neuen Ideen. Und bis heute ist er damit gut gefahren.

Welche Bedeutung kommt der Landwirtschaft und der gelebten Kultur zu?

TF: Das ist unsere DNA, auf der alles aufbaut. Tal und Berge, Einwohner und Produkte aus dem Saanenland sind einzigartig, ein Gesamtbouquet das man nicht verschieben und nicht kopieren kann. Wir müssen gar nicht zu weit suchen, sondern uns einfach auf das besinnen, was wir haben und sind, und genau das für unsere Gäste erlebbar machen. Ungekünstelt und echt.

Haben Sie eine konkrete Idee?

TF: Eine Alpkäserei zum Beispiel, die den Wanderern und Gästen offensteht. Oder Möglichkeiten, das Menuhin Festival auch ausserhalb der Festivalwochen erlebbar zu machen. Warum nicht mit einem unverwechselbar gestalteten Klangweg auf einem unserer Berge. So könnten wir auch die Bergbahnen einbinden. Wir haben viel und können viel. Und das müssen wir verstärken und erkennbarer machen.

CH: Viele Leute haben das Gefühl, die Welt würde immer verrückter, und sie suchen vermehrt das Echte, das Ursprüngliche. Wir können hier tatsächlich Einmaliges bieten.

Welcher Motor treibt die Region an: Die Hotellerie, die Landwirtschaft oder das Gewerbe?

TF: Alle drei. Wir sind quasi ein Dreizylinder. Und der Motor brummt nur wenn jeder einzelne Kolben arbeitet. Die Landwirtschaft ist tief verwurzelt und hat noch Potential. Das Gewerbe ist sehr gut vertreten und arbeitet qualitativ hochwertig, ebenso Gastronomie und Hotellerie.

CH: Der Motor könnte noch leistungsfähiger werden. Das bedingt sinnvolle Regulierungen wie beispielsweise die Hotelzone. Und es bedingt offene und klare Kommunikation zwischen den einzelnen Bereichen. Man muss sich auch zuhören können und eben auch mal fragen: Was braucht ihr? Was können wir für euch tun?

Braucht es eine Tourismusorganisation wie den GST noch oder wird das Marketing zur Sache der Hotels, der Events und der Bergbahnen?

Thomas Frei

Thomas Frei

TF: Eine Organisation wie GST ist nötig als zentrale Schaltstelle. Sie ist verantwortlich für den Zusammenschluss aller Ressourcen der Destination und für die Corporate Identity der Region, also für das einheitliche Erscheinungsbild als Marke. Die Diskussionskultur zwischen GST und den einzelnen Dienstleistern könnte aber besser sein. Etwas mehr Kritikfähigkeit wäre hilfreich.

CH: Die Informationsstellen des GST, die heute vielfach untergebracht sind in kleinen Geschäften der Dörfer, sind aber richtig und auch im Zeitalter des Internets noch wichtig. Auch da geht es eben um Authentizität und Werte, welche die Menschen anderswo nicht mehr finden. Das ist also sehr wichtig für unser Produkt. Das Modell GST ist unabdingbar in seiner Existenz und bedingt aber die Mithilfe und das Gefühl für die Mitverantwortung aller involvierten Kräfte.

Wie hat sich der Tourismus aus Sicht der Hotellerie in den letzten 20 Jahren verändert?

TF: Der Gast kann heute vergleichen. Er will mehr Leistungen zu einem tieferen Preis. Hotelier zu sein ist heute anspruchsvoller als früher. Die Buchungen sind kurzfristiger, die Aufenthalte sind kürzer. Der Gast ist nicht mehr so treu wie früher. Man muss als Gastgeber flexibel sein.

JJ: Die familiengeführten Hotels werden weniger. Früher gehörte zu jedem Fünf-Sterne-Hotel unserer Region ein Gesicht, ein Familienname, und es war leichter, einen Bezug zu den jeweiligen Hotels herzustellen. Aber ich beobachte heute mit Freude, wie die Hoteliers im Saanenland zusammenarbeiten.

CH: Die Gästefrequenzen sind weniger selbstverständlich als früher. Der Kostendruck steigt, die Marge ist tiefer, die Preise sinken tendenziell. Und das bei steigenden Ansprüchen, genau wie Thomas sagt. Da geraten Betriebe schon in Versuchung, Dumpingpreise anzubieten und einen Preiskampf auszulösen. Es ist aber wichtig zu erkennen, das unser heutiges Preisniveau eine Errungenschaft der Vergangenheit ist. Wichtig für die Investitionsfähigkeit der Betriebe müssen wir es pflegen und Sorge dazu tragen.

Kann die traditionelle Hotellerie angesichts neuer Angebote wie Airbnb oder aufgerüsteter Jugendherbergen überleben?

TF: Hotels wird es immer geben, aber in vielfältigeren Formen. Das erkennt man an manchen neuen, günstigen aber dennoch coolen Konzepten in den Städten.

CH: Das Konsumverhalten ändert sich. Eben auch aufgrund von Übernachtungsformen wie Airbnb. Das ist kein Vorwurf, das ist einfach die Entwicklung. Die Wertigkeit des Übernachtens nimmt ab, viele Gäste sind nicht mehr bereit, angesichts der zahlreichen günstigen Alternativen mehr Geld für die Unterbringung auszugeben.

Lässt sich ein Hotel ohne Quersubventionierung und unabhängig künftig noch führen?

CH: Ich glaube ja. Der Hotelier ist aber maximal gefordert, das für den Betrieb und Investitionen nötige Geld aus dem Cash-Flow zu erwirtschaften, wenn er die nächste Finanz- oder Wirtschaftskrise überstehen und konkurrenzfähig bleiben will.

TF: Dass es mit einem Mäzen etwas bequemer ist, ein Hotel zu führen, schleckt keine Geiss weg. Und die Hotellerie ist für Mäzenatentum eine perfekte Branche. Ein eigenes Hotel vorweisen zu können ist cool. Ein Mäzen sollte nur nicht vergessen, dass sein Haus einen Spirit braucht, eine Seele, eine bedingungslose Identifikation der Gastgeber und Mitarbeiter – also dasselbe was auch eine Destination braucht. Die Identifikation ist das Schlüsselkriterium, und die kann man nicht kaufen.

Man hört regelmässig Klagen, in der Zwischensaison hielten die Detaillisten ihre Geschäfte zu selten offen…

TF: Für einen Ganzjahrestourismus brauchen wir geöffnete Bergbahnen und Geschäfte, keine Frage. Wenn ein Zylinderkolben ruht, dann läuft der Motor schlecht. Im Saanenland ist ein Ganzjahrestourismus möglich. Andere und vergleichbare Regionen schaffen das auch. Und Trümpfe haben wir einige.

CH: Es gibt nichts Schlimmeres als eine «geschlossene» Destination in der Zwischensaison. Der Hotelierverein kann die einzelnen Hotels in der Region natürlich nicht zwingen, ihre Häuser das ganze Jahr offen zu halten. Ein Ganzjahresbetrieb fordert den Hoteliers viel Kraft und Ausdauer ab. Aber wir müssen alles dafür tun.

JJ: Ich glaube, die Einheimischen sind vom reduzierten Betrieb der Detaillisten wenig betroffen. Die Molkereien, Bäcker und Metzger in der Region haben das ganze Jahr über zu den üblichen Zeiten offen, soweit ich weiss.

Nicht alle Architekturen grosser Hotels passen in die Landschaft, in der sie stehen. Wie wichtig scheint Ihnen ein striktes Baureglement mit Chaletstil?

CH:  Sehr wichtig. Das strikte Baureglement ist zusammen mit der wunderschönen Natur das wahrscheinlich grösste Kapitale der Region. Ich finde allerdings nicht, dass irgendein Hotel eine «Bausünde» ist. Ich finde sie alle wunderschön und passend.

TF: Absolut.

JJ: Ich denke, bei den neu gebauten Häusern darf ruhig auch mal etwas gewagt werden, solange sie sich an Bestehendes anpassen.

Ein Wort zu Les Arts: Ist es ein top Projekt oder überrissen, genial oder utopisch?

TF: Ein grossartiges Projekt mit einer «Leuchtturm»-Funktion. Les Arts Gstaad passt perfekt in unsere Region und eröffnet Wege in die Zukunft. So zentral wie es im Dorf eingebettet ist werden Einwohner und Gäste unmittelbar Teil des Kulturgeschehens. Wir schaffen einen wunderbaren Konzertsaal, der die musikalischen Anlässe auf top Niveau noch tiefer verankert. Er wird zur Spielwiese für Neues, ermöglicht Hoteliers längere Saisons und bringt damit allen Branchen mehr Wertschöpfung.

CH: Ich halte es für eine einmalige Chance, die uns richtigerweise aus unserer Komfortzone lockt.

JJ: Die Lage ist vielversprechend und das Konzept und die Herangehensweise halte ich für sehr professionell.

Welche Themen wären im Gemeinderat sind für Sie dringlich, Thomas Frei?

TF: Wir sollten eine «grosse Gemeinde» als Legislative ins Auge fassen. Und einen Gemeindevorstand, der nicht mehr nach Partei gewählt wird, sondern nach Interessengruppen: Tourismus, Landwirtschaft und Dienstleister wie Gewerbe, Banken und so weiter. Damit würden wir weniger Energie verschwenden für Parteigeplänkel. Wir hätten einen freieren Blick auf das Ganze und könnten besser fokussieren, nicht zuletzt auf die finanzielle Situation der Gemeinde.

CH: Das ist ein entscheidender Punkt. Überschüsse müssen wir jetzt auf die Seite legen – die Zeiten werden rauer! Und wir müssen am Reglement zur Hotelzone festhalten und vor allem auch umsetzen. Ein echtes Standortmarketing würde uns helfen, die Wertschöpfung im Saanenland zu behalten und auszubauen.

Bergbahnen, Events und Landwirtschaft sind subventioniert. Sollten nicht auch die Hotels Geld von der Gemeinde erhalten?

TF: Wir wollen keine Subventionen sondern gute Rahmenbedingungen. Wir brauchen Bergbahnen, die laufen, um unsere Hotelbetriebe auszulasten. Und eine Gemeinde die zu unserer Hotelzone steht und für die Einhaltung derer eintritt. Sonst werden die Hotels irgendwann zu Luxuswohnungen umgenutzt, wie in St. Moritz.

Wo stehen die Bergbahnen wirtschaftlich?

TF: Wir müssen daraufhin arbeiten, dass sie operativ Geld verdienen. Dafür müssen wir dem Gast etwas bieten. Einfach nur Berg zu sein reicht nicht, wir müssen jeden einzelnen Berge positionieren. Jeder soll den Gast auf seine Weise interessieren und begeistern können. Und der Gast muss wissen, auf welchem Berg ihn was erwartet. Die Bergbahnen müssen nachhaltig arbeiten. Langfristige Umweltverträglichkeit ist wichtiger als kurzfristige Zielsetzungen. In Zeiten des Klimawandels bloss über Schneekanonen nachzudenken bringt uns kaum weiter. Wir sollten auf kreative Alternativen fokussieren.

CH: Gegen den Klimawandel können wir als Destination wenig ausrichten. Aber wir können neue Geschäftsfelder – auch für die Bergbahnen – suchen und sie bei uns etablieren. Heute schon.

Haben wir in der Region zuviele Bergbahnen?

TF: Nein. Aber die Berge sind zu verwechselbar. Wir müssen die Angebote vielfältiger gestalten und klarer positionieren. Der Gast will nicht sieben Tage lang auf den gleichen Berg.

Herr Frei, sie sind aktiver Internet-Blogger, Facebook-Nutzer und Instagrammer. Setzt man im Saanenland zu wenig auf die neuen Medien?

TF: GST nutzt die neuen Medien, aber ein Konzept zu erkennen fällt mir schwer. Ihr Einsatz müsste besser orchestriert sein, ein Content Manager müsste gezielt vorgeben, wann zu welchem Thema was mitgeteilt wird. Ein gedrucktes Medium braucht ja auch einen Chefredaktor, der die Fäden in der Hand hält.

Sie wollen im Gemeinderat mit dem Blickwinkel des Hoteliers die Zukunft des Saanenlandes mitgestalten. Wie sieht die aus?

TF: Ein Beispiel: Wir haben im Saanenland zu viel Milch und zu wenig einheimisches Fleisch. Die Zukunft könnte sein, dass ein paar Bauern von der Milchwirtschaft zur Fleischproduktion wechseln. Saanenländer Fleisch statt Massenware, Spezialitäten. In den guten Hotels fänden die Bauern dankbare Abnehmer, ihre Gäste suchen das Besondere, und hier bekämen sie es. Auch die Grossverteiler könnten mitmachen, wenn sie wach sind. Von der Region für die Region – das ist gefragt. Wenn man sich anschaut, wie clever das Appenzellerland Spezialitäten entwickelt und positioniert. Die sind nicht mehr nur lokale Werbeträger, die tragen ihre Region ins Land hinaus.

Würde bei einer solchen Umstellung von Milch auf Fleisch das Risiko einfach beim Bauern hängen bleiben, der den Schritt wagt?

TF: Wir könnten einen Fond gründen, der Landwirte unterstützt, die ihre Betriebe umstellen wollen. Wichtig ist, dass wir in der Region produzieren und die Wertschöpfung hier behalten und hier ausweiten.

Entspricht die neue «touristische Destinationsstrategie» des Saanenlandes Ihren Vorstellungen?

TF: Sie ist ein Anfang. Man hat viele Leute miteinbezogen, und grosse Gremien bringen selten grosse Würfe hervor. Effektiver wäre vermutlich eine kleine Kerngruppe kompetenter Leute. Gute Analytiker und kreative Köpfe, die um die Ecke denken können. Sie können Konkretes zustande bringen, das zu einem Teil des regionalen Selbstverständnisses heranwächst.

CH: Der Anfang ist gemacht mit der Strategie.  Die vielen Interessenvertreter haben die Bedeutung des Miteinanders definiert, ihre Verantwortung erkannt. Wir brauchen doch zwingend ein gemeinsames Ziel, eine gemeinsame Flugrichtung. Wichtig ist nun, etwas Greifbares damit umzusetzen und zu verbessern.

Züneweid

Züneweid

Sie sprechen von nachhaltig hergestellten Produkten aus der Region. Passen da China-Restaurants, Sushi-Bars und luxuriöse Gourmet-Anlässe wie Saveurs ins Konzept?

TF: Ein gutes Beispiel. Die Saveurs-Anlässe fanden und finden dieses Jahr fast ausschliesslich im Freien statt. Franz Wiget hat auf unserer Alp Züneweid gekocht, ohne Strom und über dem Holzfeuer. Für 32 Gäste hat er ein Gourmetmenu gekocht mit Produkten aus seiner Heimat Schwyz. Dass Genuss und Authentizität Gegensätze sind, ist ein Klischee. Das lässt sich kreativ verbinden. Wir sind und bleiben eine Genussregion.

Meine Kandidatur für den Gemeinderat Saanen

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Meine Beweggründe, weshalb ich mich für eine Kandidatur für das Gemeinderats Amt bewerbe: Ein Hotelier und Touristiker gehört in den Gemeinderat einer touristischen Gemeinde wie Saanen. Dazu kommt meine Freude am Saanenland und die Lust, dessen Zukunft mitzugestalten.

Politik verfolge ich seit meinen Teenager Jahren mit grossem Interesse. Ich finde es spannend, zu politisieren und über Themen die uns betreffen zu diskutieren und nach Lösungen zu suchen. Mich freute es, als die FDP Saanen bei mir anklopfte um zu fragen, ob ich als Gemeinderat kandidieren wolle. Ich sagte gerne zu.

 

Mein Leistungsausweis

  • 4 Jahre Gemeinderat in Pontresina
  • 12 Jahre Vorstand Hotelierverein Gstaad Saanenland
  • 8 Jahre Ortsvorstand Gstaad
  • 20 Jahre Bernerhof Hotelier

Ich stehe ein…

… für eine liberale, weltoffene und vorwärts gerichtete Politik.

… für eine enge Zusammenarbeit von Tourismus, Landwirtschaft und Gewerbe.

… für langfristige Umweltverträglichkeit statt kurzsichtige Zielsetzungen.

Was können die Wähler erwarten

Ich setze mich ein für ausgewogenes Verhältnis zwischen den Branchen, die unser Saanenland tragen: Tourismus, Landwirtschaft und Gewerbe. Nicht das Denken in Gartenhägli bringt uns vorwärts, sondern der gemeinsame Blick aufs Ganze.

Was ich erwarte

Kein Parteigeplänkel im Gemeinderat, sondern Mut.

Pragmatische Lösungen und dynamische Umsetzungen.

Motivation

Freude am Saanenland und Lust, seine Zukunft mitzugestalten.

Themen

  • Wir sind wir

Wir sind Saanenland. Tal und Berge, Einwohner und Produkte sind unverwechselbar. Niemand auf der Welt kann sie kopieren. Wir sind kein Trend und kein Konzept. Wir sind wir, geerdet und verwurzelt. Das macht uns zur grundehrlichen und geerdeten Marke. Und das zieht Leute an.

  • Les Arts Gstaad

Les Arts Gstaad passt perfekt zu unserer Region und eröffnet Wege in die Zukunft. Dank zentraler Lage im Dorf werden Einwohner und Gäste unmittelbar zum Teil des Kulturgeschehens. Wir schaffen einen wunderbaren Konzertsaal, der die musikalischen Anlässe auf top Niveau noch tiefer verankert. Er wird zur Spielwiese für Neues, ermöglicht Hoteliers längere Saisons und bringt damit allen Branchen mehr Wertschöpfung. Über eine Redimensionierung des Projektes sollten wir nachdenken.

  • Worüber wir reden müssten:

Über eine «grosse Gemeinde» als Legislative und einem Gemeindevorstand als Exekutive, der nicht mehr nach Partei gewählt wird, sondern nach Interessengruppen: Tourismus, Landwirtschaft und Dienstleister wie Gewerbe, Banken etc. Weil wir die Energie nicht für Parteigeplänkel einsetzen sollten, sondern für den Blick auf das Ganze.

 

Kurz mal unterwegs

Mit Leandro, meinem Sohn, besuchte ich unsere Lieblings-Beiz, das Schiff in Mamern. Ein Hammer Restaurant. Das Haus wurde im 18. Jahrhundert erbaut und wird seither von Familie Meier mit gelebter Gastfreundschaft bewirtet.

IMG_8762Die Produkte die auf die Teller kommen sind von allerbester Qualität. Kein Wunder, sind doch die meisten aus eigener Produktion, Jagd oder Fischerei. Wir aßen zum Beispiel einen fangfrischen, gebackenen Hecht. Was für eine Wucht. Dazu hausgemachte Mayonnaise und Salzkartoffeln. Grossartig. Als Hauptgang vertilgten wir ein Güggeli aus eigener Zucht mit hausgemachten Pommes. Was für ein Genuss! Wem der Sinn nach Dessert steht, bestellt die hausgemachte Glace (mein Lieblingsaroma Schoggi), Linzertorte oder Meringue.

Frühstück Schiff MammernWer nicht mehr nach Hause fahren will, dem stehen 7 schöne Zimmer zu Verfügung mit Blick auf den nahen gelegenen Untersee (unterer Teil vom Bodensee). Bereits beim Einschlafen kann man und Frau sich auf das Frühstück freuen. Nicht etwa auf ein Buffet, denn die hausgemachte Konfitüre, die frische Butter, die knusprigen Brötchen und der Käse stehen auf dem Frühstückstisch. Eierspeisen werden à la minute zubereitet. Ein fantastischer Start in den Tag ist einem gewiss.

Kurz und gut: Einmal Schiff Mammern – immer Schiff Mammern!

 

 

3. Bernerhof Gespräch

Die Zusammenfassung des 3. Bernerhof Gesprächs vom 23. März. Schlussfolgerungen zum Gespräch folgen in den nächsten Tagen.

Ausgangslage

In Europa leben 500 Millionen Menschen, die weder Ski fahren noch Snowboarden. Das dritte Bernerhof Gespräch warf zwei Fragen auf: „Gibt es Wege, diese 500 Millionen für Ferien in den Bergen zu begeistern? Oder ist Schnee ganz einfach von gestern?“

08/09 war eine Rekordsaison. Leider war es die einzige; In allen andern Saisons seit 04/05 war die Frequentierung im Wintersport rückläufig. Und dies trotz den Anstrengungen, gute Schneeverhältnisse auf den Pisten zu garantieren und die Seilbahnen zu modernisieren. Was ist für eine Destination wichtig, die den Rückgang aufhalten oder eine Trendwende anstreben will?

Fazit für Schnellleser:

  • Wichtig ist die Erkennbarkeit und die Positionierung einer Destination.

Für Allesleser:

Wir hörten spannende Referate von Martin Bachofner, Tourismus Direktor; Otto Steiner, sympathischer Querdenker und Konzepter sowie Klaus J. Stöhlker, Doyen der PR Branche.

Martin Bachofner

Martin Bachofner

Martin Bachofner stellte drei Szenario für das fiktive Dorf „Hindere Chrache“ vor.

Facts:

Das Dorf liegt auf 1000 Meter über Meer mit einem erschlossenen Gebiet bis auf 3000 Metern über Meer.  Es liegt in einer lieblichen Gegend mit saftigen Weiden, bietet aber kein Alleinstellungsmerkmal à la Matterhorn. Der Anteil an Zweitwohnungen ist hoch, die Auslastung im Sommer gut. Zudem trägt der Tourismus 50% des BIP der Region „Hindere Chrache“ bei.

Global nimmt der Tourismus zu. Reisen ans Meer verzeichnen Zuwachs, Gewinner in der Schweiz sind die Städte sowie der Bereich Touring (Auto, Velo —> Grand Tour von Schweiz Tourismus), der ländliche, alpine Tourismus aber scheint den Zenit überschritten zu haben.

Szenario 1: Gated Community

Das Dorf „Hindere Chrache“ wird bewacht von einer privaten Armee. Es ist ein Zufluchtsort für Privilegierte, für die Elite. Bergbahnen, Gesundheitswesen, die ganze Infrastruktur wird von Investoren finanziert.

Szenario 2 für „Hindere Chrache“: Produkt-Initiative

Eine Produkt-Initiative für Familien, Sport, Genuss etc. Die Produkte der Destination werden in Szene gesetzt: Kühe, Alpen, Handwerk etc.. Ein Produkt für alle.

Szenario 3: Leuchtturm setzen

Es wird ein klares Angebot gestaltet. Ein „Leuchtturm“ der unabhängig von Wetter und Saison während zehn, elf Monaten über allem strahlt. Eine Erlebnisbahn auf einen Berg, ein Kongresszentrum.

Otto Steiner

Otto Steiner

Otto Steiner eröffnete sein Referat mit einem Bild der eingeschneiten Büste von Hotelpionier und Visionär Caspar Badrutt und mit dem Ausruf: „Frauen und Männer seines Schlages braucht das Land. Visionäre, die andere begeistern, um das Ziel gemeinsam zu erreichen.“ Kernaussagen seines Referates:

  • Klare Positionierung am Beispiel St. Moritz: Der Ort der zweimal olympische Winterspiele durchführte, muss den olympischen Geist erlebbar machen. Auf einem Berg, damit auch die Bahnen Frequenzenhaben und im Tal.
  • Charismatische Alphatiere braucht das Land. Leute, die begeistern und überzeugen. In der Schweiz ist es leicht ein Visionär zu sein, da alle so langweilig sind.
Klaus J. Stöhlker

Klaus J. Stöhlker

Klaus J. Stöhlker fragte die Zuhörer, was die Steigerung von Vision sei. Seine Antwort: Halluzination. Gstaad sei ein Wundername, der gut verkauft werden könne. Die schönste, sicherste Gated City der Welt. Wunderbar. Gottes Hand hat die fünf Täler des Saanenlandes als Reduit erschaffen, damit die Einwohner und Gäste geschützt, ruhig und sicher leben können.

Die Region rund um Gstaad zeichnet eine stete Investition in der ganzen Region aus. In neue Hotels, in die Infrastruktur und in die verkehrsfreien Dörfer. Ganz wichtig für die Region sei die Privatschule „Le Rosey“. Das „Come up“ im Slogan von Gstaad sagt auch etwas über den sozialen Aufstieg aus.

Gstaad braucht ein Symbol: „Das goldene Kalb“: Jede und jeder der in Gstaad war muss am Revers ein goldenes Kalb tragen.

Ein Slogan für Gstaad, wie es sich für Gstaad gehört in drei Sprachen:

  • Gstaad ist die Schönste und sicherste Gated City der Welt
  • Sport – culture – and good life for high performance
  • La vie en rose – sans regrette

Wichtig : Positionierung, Spezialisierung.

Sonja Hasler

Sonja Hasler

Arena mit Sonja Hasler

In der anschliessenden Diskussion meinte Martin Bachofner, dass das Gemischtwarenlager aufgeräumt werden müsse. Alles hat Gstaad in den letzten 100 Jahren nicht falsch gemacht. Es muss nebst der gehobenen Klientel auch die Mittelschicht angesprochen werden. Zudem übernachten auch Reiche nicht nur in 5* Hotels. Durchlässigkeit der Positionierung ist wichtig.

Otto Steiner widersprach Klaus Stöhlker. Das „Goldene Kalb“ ist unrealistisch, zwar lustig aber nichts Spezielles. Die Bergbahnen brauchen Menge nicht nur Reiche. Es muss eine Ferienstimmung entstehen mit belebten Bahnen und Dörfern. Mit dem schönen Anfahrtsweg sei Gstaad gemacht für runterfahren, Langsamkeit und Gemütlichkeit, worauf Stöhlker erwiderte, dass niemand Langsamkeit wolle, da im Leben alle vorwärts kommen wollen.

Die Frage von Sonja Hasler an Otto Steiner, ob er eine Idee für Gstaad habe.

Steiners Antwort: Eine scharfe Positionierung die spaltet und es in die Medien bringt. Er hätte noch nie so viel Presse gehabt wie mit der Ankündigung des Heidi Dorfes in Flums. Verhindern sei simpel. Das Produkt müsse so profiliert sein, dass es einen Ganzjahres-Tourismus erlaubt. Ein „Les Arts“ allein genüge nicht. Es brauche fünf „Les Arts“, und wenn zwei von den fünf einschlagen, gehöre man zu den Gewinnern.

Zur gleichen Frage meinte Stöhlker: Gstaad habe gute Ansätze. Mutiger müsse man sein und sich dazu bekennen was man ist. Als Beispiel nannte er das neue Mode Heft „Splendid“ von Tommy Hilfiger oder die Beilage im Economist, 1843 culture and lifestyle, in welchen Wohlhabende gefeiert werden. Stöhlker: „Zeige was du Wert bist, dann kannst du es verkaufen.“

Für Höhrer: Das Tondokument des ganzen Gespräches:

Fotos von Marco Mostosi @mamo photography ©

Ist Schnee von gestern?

Gstaad

Gstaad

3. Bernerhof Gespräch
Der Alpentourismus ist veraltet. Die Alpen sind völlig langweilig geworden. Waren die Touristiker vor 150 Jahren noch Visionäre und Abenteurer, sind wir heute die Langweiler der Alpen. Wir sind dabei in den Tiefschlaf zu gleiten und nicht mehr aufzuwachen. Dies das Thema des 3. Bernerhof Gespräches vom 23. März im Bernerhof Gstaad.

Die Referenten:

  • Klaus Stöhlker, PR Berater und Buchautor. Er publiziert und kommentiert regelmässig in den Schweizer Medien.
  • Otto Steiner aus Sarnen, als sympathischer Querdenker plant er und realisiert Besucherattraktionen. Er erschafft mit seinem Team Erlebniswelten: Ausstellungen, Besucherzentren, Besucherrundgänge, Shops, urbane Freiräume und Gartenanlagen.
  • Martin Bachofner, Tourismus Direktor von Gstaad Saanenland Tourismus
  • Die im Anschluss an die Referate stattfindende Diskussionsrunde leitet die sympathische Arena und Rundschau erprobte Sonja Hasler
  • Unser drittes Bernerhof Gespräch findet am Mittwoch, 23. März um 19.00 Uhr statt. Das Thema: Ist Schnee von gestern?…

    Posted by Bernerhof Gstaad on Freitag, 19. Februar 2016

Gedanken.Verloren.

Meine Kolumne im Anzeiger von Saanen

Nieselregen. Nasskalt. Der Bus, der mich zur Schule fuhr, war voll mit triefenden, roten Nasen. Husten. Ab und wann ein Schnäuzen. Kaum in der Schule angekommen, schickte uns Lehrer Schmid raus, um Blätter zu sammeln. Bunt sollen sie sein. In meiner Heimatstadt hatte es viele Kastanienbäume. Selbst in der Nähe der Schule. Doch ich suchte das Weite. Kommt Zeit kommt Rat. Ich will ja nicht das erst beste Blatt. Schon gar nicht eines aus der Stadt. Ich ging in den Wald. Die Schuhe tief im Laub versteckt, schlenderte ich gedankenverloren durch den Wald. Jeder Schritt ein lautes Rascheln, tschschschsch tschschschsch tschschschsch, das gefiel mir. Ich entfernte mich, ich schwöre es! unabsichtlich immer weiter weg von der Schule. Als mir aufging, dass der Weg zurück ans Pult gleich lang ist wie der von der Schule weg, war ich keineswegs erschüttert. Eine Stunde mehr im Schulzimmer bei Lehrer Schmid bringt mich auch nicht an die Uni. Ich sammelte also zwei drei, schon halb vermoderte Blätter und keuchte in die Schule zurück. Natürlich waren die Klassenkameraden schon alle im Schulzimmer und malten eifrig eines der von ihnen gesuchten Stadtblätter auf ein Zeichenpapier. So was Überflüssiges. Was soll ich ein Blatt abzeichnen, welches in der Natur viel schöner ist? Heiss ich van Gogh? Mit einem Bambusstock, den mir Lehrer Schmid doch tatsächlich auf meine rechte Hand schlug,  versuchte er mir zu erklären, dass ich ein Blatt auf den Zeichenblock zu zeichnen habe. Ich gab schliesslich nach. Gezeichnet habe ich das Blatt aber nicht, denn ich konnte infolge einer geschwollenen Hand keinen Farbstift mehr halten.

Wieso ich Ihnen das erzähle? Weil es Herbst ist. Die Wälder wunderschön sind. Weil Gedankenverlorenheit gesund ist. Und weil mir kein gescheites Thema in den Sinn kam. Über die vergangenen Wahlen wurde schon genug geschrieben. Über die Bergbahnen unserer Destination jahrelang diskutiert und das Thema Spital und Gesundheitszentrum liegt mir nicht. Ich bin unheilbar gesund. Vielleicht, weil ich ab und wann gedankenverloren durch die Wälder spaziere.

GaultMillau Aussteiger des Jahres 2016: André Jaeger

André Jäger (Fischerzunft Schaffhausen) in seinem Garten in Stein am Rhein.

André Jäger (Fischerzunft Schaffhausen) in seinem Garten in Stein am Rhein.

«Die Fischerzunft», Schaffhausen (19 Punkte) «Das war’s» sagte André Jaeger im Sommer und verabschiedete sich nach einer grandiosen Karriere in den Ruhestand. Er hat mit viel Klasse und Unerschrockenheit die euro-asiatische Küche gewissermassen erfunden und seine «Fischerzunft» zwanzig Jahre mit der Höchstnote 19 geführt. GaultMillau verbeugt sich und dankt. Ein grosser Koch. Ein grossartiger Mensch.

GaultMillau: Kanton Bern: Die «Eisblume» blüht!

Yvonne Stöckli im Wein und Käsekeller des Hotel Alpenblick Wilderswil

Yvonne Stöckli im Wein und Käsekeller des Hotel Alpenblick Wilderswil

Zugang in der Spitzenklasse: Simon Apothéloz in der Worber «Eisblume» erhält schon wieder einen Punkt mehr und ist jetzt mit der Note 16 «verbucht»; der Besuch in seinem «Gewächshaus» ist ein Erlebnis. Florian Stähli in «L’Auberge» in Langenthal und Loris Meot im «Basta by Dalsass» im «Bernerhof» Gstaad sind mit je 15 Punkten zwei weitere bemerkenswerte Aufsteiger.

In den kuliarischen Epizentren Bern-City und Gstaad setzen sich die Platzhirsche im Revier durch: Robert Speth («Chesery») und Marcus G. Lindner («The Alpina») setzen mit je 18 Punkten im Saanenland (und im ganzen Kanton) den Massstab. In Bern ist Jan Leimbach («Meridiano», 17 Punkte) die Nummer 1. Werner Rothen («Schöngrün») hat mit Souschef Simon Sommer einen starken Nachfolger installiert (neu 15), sein Glück in Basel aber nicht gefunden. Im «Löwen» Thörigen lässt sich Nik Gygax von gesundheitlichen Sorgen nicht unterkriegen; Meergetier und Saucen sind grossartig (18). In Wilderswil («Alpenblick», 16 Punkte) wacht GaultMillaus «Sommelier des Jahres», Gastgeberin Yvonne Stöckli, über einen bemerkenswerten Keller.

Aufsteiger (8) Eisblume, Worb 16 Restaurant Auberge, L’Auberge, Langenthal 15 Basta by Dalsass, Bernerhof, Gstaad 15 Palace, Biel 14 Restaurant La Pendule, Stadthaus, Burgdorf 14 Schönbühl, Hilterfingen 14 Platanenstube, Platanenhof, Kirchberg 13 La Vinoteca, Schönried 13 Neu im Guide (4) Schönbühl, Adelboden 14 Tonis Restaurant, Biel 14 Lueg, Kaltacker 13 Ziegelhüsi, Deisswil bei Stettlen 12

Sommelier des Jahres: Yvonne Stöckli, «Alpenblick», Wilderswil BE (16 Punkte) Eine hervorragende Küche, ein gewaltiger Keller. Das kiloschwere Weinbuch im «Alpenblick» führt Hausherrin Yvonne Stöckli. Ihre Karte ist auch ein Who’s who der besten Schweizer Winzer. Sie hat aber noch eine zweite Leidenschaft: Käse. Vierzig verschiedene, liebevoll ausgesuchte Sorten liegen jeden Abend gereift auf dem Wagen.

18 Punkte! Nenad Mlinarevic ist GaultMillaus «Koch des Jahres 2016»

Nenad Mlinarevic auf dem Haldihof bei Weggis

Nenad Mlinarevic auf dem Haldihof bei Weggis

Nenad Mlinarevic hat nach langem Suchen seinen Stil gefunden. Keiner geht mit strikt regionalen Produkten raffinierter und harmonischer um als der ehrgeizige Küchenchef im Park Hotel Vitznau. Der GaultMillau Schweiz zeichnet ihn aus: Mit neu 18 Punkten. Und mit dem Titel «Koch des Jahres 2016».

Urs Heller, Chefredaktor GaultMillau Schweiz schreibt über Chef Nenad Mlinarevic folgendes: Er wurde in der Branche als Bluechip gehandelt, als Talent mit dem Zeug zum Star. Jetzt ist er einer. Wie viele grosse Köche hat er den Code zum Erfolg nicht über Nacht geknackt, sondern in jahrelanger, harter Arbeit. Sein Konzept im Luxushotel am Vierwaldstättersee: Kein Kaviar, kein Hummer. Eher Kohl und Kalbskopf. Anders gesagt: Regionale Küche ist Trumpf. Ins Menü schafft es nur, was in der näheren oder weiteren Umgebung wächst. Nenad Mlinarevics Revier ist nicht die Bretagne. Er sucht Kräuter am Fuss der Rigi. Hat einen sehr engen Kontakt mit hervorragenden Weggiser Gemüsebauern. Setzt auf Brüggli-Forellen vom Sattel SZ statt auf Loup de mer aus den Weltmeeren. Bewundernswert ist deshalb zweierlei: Chef Nenads Rolle als Foodscout, als Entdecker kleiner, noch unbekannter Produzenten. Und natürlich seine Rolle als Koch: Wie er die vermeintlich einfachen Produkte verzaubert, wie er Kontraste und Harmonie zugleich sucht, wie daraus ein eigentlicher «Nenad Style» entsteht, ist bewundernswert. Die Gäste wissen es zu schätzen: Das Restaurant «focus» ist deutlich besser besucht als in den ersten Monaten.

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